Freitag, 11. Mai 2012

Lundehündin "Lenchen" - ein Hundeleben.

Ein besonderer Nachruf von Theo Schnütgen

BBeim Besuch auf den Lofoten bei unseren Verwandten sahen wir einen Lundehund und waren sofort in ihn verliebt. Unser letzter Hund, ein Schipperke, war gestorben und wir suchten wieder einen Lebensgefährten. Unsere norwegischen Verwandten brachten uns in Verbindung zu einer norwegischen Züchterin. So bekamen wir "Lenchen" unsren Lündi.

"Mit so einem schönen Tier müßt Ihr aber züchten, da es so wenige noch davon gibt". Das wollten wir auch und bereiteten alles vor, um kleine Lündis zu bekommen. Alle Untersuchungen waren positiv abgeschlossen und wir freuten uns auf die Zukunft. Doch dann wurde Lenchen krank. Bauchwassersucht sagte man uns. Eine deutsche Tierärztin, die in Schweden praktiziert, informierte uns über die Wahrheit: "Wissen Sie, dass es ein Lundehund-Syndrom gibt, an dem die meisten Tiere dieser Rasse leiden".

Beim Club für nordische Hunde wich man auf Fragen aus. Die dümmste Erklärung kam von einem Norweger, Herrn G., der uns vorwarf, das Tier falsch gefüttert zu haben. Da wir öfters auf die Lofoten fahren, haben wir dort Trockenfisch in großen Mengen mit nach Hause genommen.

Über 80 mal sind wir mit Lenchen, wenn er krank wurde, zu Fachärzten und Kliniken gefahren. So langsam kam die Wahrheit heraus. Es war das Lundehund-Syndrom. Wir haben immer um das Leben des lieben Tieres gebangt. Die norwegische Züchterin stellte daraufhin die Zucht ein. Deutsche und amerikanische Universitäten berichteten nun über diese Krankheit. Doch die Züchter wollten davon nichts hören. Es werden weiter Lundehunde gezüchtet für den Profit und zum Sterben. Doch nun ist die Wahrheit nicht mehr aufzuhalten.

Unser Lenchen ist nun gestorben, und ich werde alles tun, um der Wahrheit eine Bresche zu schlagen und diese grausame Züchterei zu entlarven.

Theo Schnütgen, Talstr. 7, 56814 Greimersburg   10.5.12

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Hintergrund:

Donnerstag, 26. April 2012

World Dog Show 2012

Vom 18. - 20. Mai findet in Salzburg die World Dog Show 2012 statt. Laut Michael Kreiner, dem Präsident des Österreichischen Kynologenverbands (ÖKV), sind rund 20.000 Hunde von 310 Hunderassen und aus 60 Ländern gemeldet. Ob Hunde solche Massenaufläufe - mit meist langen Anreisezeiten - mögen, fragt man im Show-Wesen für gewöhnlich nicht.

In Österreich wurde bereits im März 2009 ein neues Tierschutzgesetz gültig, das neben Hundehandel auch Qualzucht bekämpfen soll. Es kann hier nicht beurteilt werden, wieweit dieses Ansinnen seither praktische Früchte zum Wohle der Hunde getragen hat. Aber da ist ja:

Das Signal von Crufts

Spannend wird die Sache angesichts des Signals von Crufts, wo im März 2012 die Sieger von 15 Hunderassen erstmals Vorort durch unabhängige Veterinäre untersucht und daraufhin 7 Champions aus gesundheitlichen Gründen disqualifiziert worden waren. Diese Maßnahme von Crufts ist endlich einmal eine echte Maßnahme zum Schutz der Hunde vor den Irrungen der Menschen, die ihnen sogar elementare Lebensfunktionen rauben. Deshalb sollte Crufts Schule machen.

Man wird nun genau sehen, wie sich der ÖKV positioniert.

Nach Petwatch-Informationen wurden Veterinäre bereits instruiert, genau hinzuschauen. In den Veterinärbestimmungen und  Meldehinweisen wurde dieser Hinweis aufgenommen:

"Das Ausstellen von Hunden mit Qualzuchtmerkmalen (z.B. Atemnot, Haarlosigkeit mit starker Zahnunterzahl oder Zahnlosigkeit) ist verboten!"

Ob es nur bei warmen Worten bleibt oder dieses Verbot vom ÖKV real durchgesetzt wird, werden wir in einem Monat wissen. Leider hat sich der deutsche VDH bereits gegen ein Ausstellungsverbot für Hunde mit Qualzuchtmerkmalen positioniert.

Für ein Ausstellungsverbot von Hunden mit Qualzuchtmerkmalen!

Die Zucht von Hunden (Tieren)  mit Qualzuchtmerkmalen muss praxiswirksam verboten und unter Strafe gestellt werden!


Nachtrag von der Europasiegerschau des VDH Mai 2012:



( Ein Beitrag von Christoph Jung )

Samstag, 7. April 2012

Warum Crufts Schule machen sollte

Crufts ist das mit Abstand wichtigste und größte Event der Show um den Hund. Seit 1886 werden in Birmingham jeweils zehntausende Hunde zur Schau gestellt. Für nicht wenige Züchter bedeutet das Ausstellen bei Crufts den Ritterschlag. Im Petwatch Blog wurde bereits zahlreich darüber berichtet, welche Verantwortung das Ausstellungswesen für die Missstände in der Rassehundezucht hat. Man mag das Bewerten von Hunden per Präsentation im Show-Ring unterschiedlich sehen, kein Verständnis sollte es geben, wenn dieses Treiben zu Lasten der Tiere geht.

Das Show-Wesen hat sich jedoch als Katalysator der Qualzucht erwiesen.

In diesem Jahre wurden daher erstmals unabhängige tierärztliche Kontrollen für die Champions von 15 Rassen eingeführt und zwar durch unabhängige Veterinäre vorort. Bei sechs Hunderassen bestanden die "Best of Breed" den tierärztlichen Test nicht. Bulldog, Clumber Spaniel, Pekinese, Mastiff, Mastino Napoletano und Basset Hound wurden daher von der weiteren Teilnahme ausgeschlossen.

Ich meine: Crufts sollte Schule machen. Ich hätte nie gedacht, einmal eine solche Empfehlung zu Crufts aussprechen zu können.


Aus denselben Gründen ist es zu begrüßen, wenn die deutsche Bundesregierung (BMLV) im Entwurf eines neuen Tierschutzgesetzes das Ausstellen von Tieren mit Qualzuchtmerkmalen explizit verbieten will. Eigentlich müsste man erwarten, dass jeder Hundefreund dem Ansinnen vorbehaltlos zustimmen, ja eine wirkungsvollere Fassung dieses Verbotes einfordern würde. Eigentlich sollte es für jeden Menschen, der sich Freund des Hundes nennt, selbstverständlich sein, Qualzucht und Qualzuchtmerkmalen keinerlei Raum zu lassen.

Show-Wesen - Schutzzone für Qualzucht?

Doch der Verband für das deutsche Hundewesen, VDH, der mit Abstand größte Ausrichter von Hundeausstellungen in Deutschland, sieht das anders. Sein Präsident Prof. Friedrich spricht sich im Vereinsorgan "Unser Rassehund" gegen ein solches Ausstellungsverbot aus: "Für nicht zielführend halten wir den vom BMLV vorgetragenen Plan, zusätzlich ein Verbot auszusprechen, das jedwedes Ausstellen von Wirbeltieren mit Qualzuchtmerkmalen unterbindet." (3/2012, unten Auszüge aus der Stellungnahme des VDH) Er begründet diese Ablehnung mit dem angeblich unkalkulierbaren Risiko der Aussteller, die nach einer Disqualifizierung wegen Qualzuchtmerkmalen umsonst angereist seien. Dieser Standpunkt des VDH ist aus Tierschutzgründen, aus Sicht des Wohls der Hunde nicht akzeptabel. Und:

Crufts zeigt, dass es anders geht - wenn man nur will.


Die ablehnende Haltung des VDH ist zudem sehr kurzsichtig. Die Rassehundezucht hat insbesondere durch seine Missstände hinsichtlich der Gesundheit ihrer "Produkte" an gesellschaftlicher Akzeptanz verloren. Es würde ihr im eigenen Interesse gut zu Gesicht stehen, wenn sie den Erscheinungen von Qualzucht in jeder Hinsicht die Rote Karte zeigen würde.

Noch ein Wort zum VDH:

Der VDH ist der maßgebende Dachverband der Hundezucht in Deutschland und DER Vertreter des internationalen Dachverbandes FCI in D. Von daher steht er naturgemäß im Mittelpunkt des Themas. Aber bei aller Kritik, wie auch hier immer wieder formuliert: Welcher Verband macht es besser?

Ich kenne keinen Dachverband, der im Interesse der Hunde höhere Maßstäbe setzt - leider!

Sollte ich einen übersehen haben, so bitte ich um Info. Es gibt neben dem Vdh mehr als 70 Vereine, die den Anspruch haben, nationaler oder gar internationaler Dachverband der Hundezucht zu sein. Doch bei den allermeisten liegt auf der Hand, dass es ausschließlich um das kommerzielle Interesse der Züchter und Verbandsbetreiber, um billige Champion-Titel zur Täuschung der Welpenkäufer, problemlose "Papiere" und vor allem wirkungslose Zuchtstandards geht.

Der Dieb ruft: "Haltet den Dieb!"


Es zählt zum festen Marketing-Ritual dieser Vermehrer-Szene, das eigene Tun durch lauthalses Schimpfen auf den bösen VDH zu vernebeln und von eigenen, bestenfalls höchst dürftig vorhandenen Zuchtstandards abzulenken. Auch der internationale  Hundehandel, die Hinterhofvermehrer und Qualzüchter brauchen den VDH als Buhmann.

"Jeder ausgestellte Hund erhält einen Pokal."

Ein Beitrag von Christoph Jung

Anhang: Aus der Stellungnahme des VDH an das BMLV zur Novelle des neuen Tierschutzgesetzes (zititert nach "Unser Rassehund" 03/2012)

"Eine Einflussnahme auf die Zucht hat das Potenzial, zu Verbesserungen zu führen. Selektiv die Aussteller zu belasten, wo doch die überwiegende Mehrzahl der Welpen in die Hände von Nichtausstellern abgegeben wird, ist nicht Erfolg versprechend.* 

Sollte es je zu Ausstellungsverboten für bestimmte Hunde kommen, so müsste nach unserer Auffassung eine rechtliche Regelung geschaffen werden, bei der jeder Hundebesitzer zum Zeitpunkt der Anmeldung seines Hundes sicher weiß oder in Erfahrung bringen kann, ob sein Hund ausgestellt werden darf oder nicht.** 

Es wäre unserer Auffassung nach nicht richtig, wenn ein Hundehalter mit erheblichen Reisekosten zu einer Ausstellung führe, den Hund vorbereitet und anschließend, ohne dass er die Lage sicher zu beurteilen vermocht hätte, dann doch nicht ausstellen dürfte.*** ...

In keinem Land gibt es vergleichbare Regelungen zu einem Ausstellungsverbot, was zu großen Unsicherheiten und Schadensersatzansprüchen an die Veranstalter führen würde.**** ..."


* Ahja, weil die meisten Hundehalter nicht ausstellen, sollen bei den Ausstellungen des VDH Hunde mit Qualzuchtmerkmalen gezeigt werden können. Ist das die Vorstellung des VDH von Tierschutz?

** Klar, der Haustierarzt des Züchters, der seit Jahren eh das Zuchtgeschehen des potenziellen Qualzüchters begleitet und davon profitiert, soll die Unbedenklichkeitserklärung für Ausstellungen gleich mit ausstellen. Ist das die Vorstellung des VDH von echter Kontrolle und "kontrollierter Zucht"?

*** Ist der Aussteller/Züchter doch selber schuld: Soll er doch gesunde Hunde züchten, dann hat er das Problem auch nicht.

**** Sorry, eine sehr schwache Argumentationslinie. Crufts hat gerade gezeigt, dass es geht! Und Tierschutz geht VOR vermeintliche Schadensersatzansprüche der Qualzüchter. Außerdem kann man das in den Teilnahmebedingungen rechtlich klar regeln.

Qualzüchter müssen hart bestraft werden statt sich Sorge um deren Reisekosten zu machen!



Donnerstag, 29. März 2012

Verleumdete Kritiker: Von Drohung bis Rufmord

Verleumdete Journalisten: Von Drohung bis Rufmord - so titelt ein hochinteressanter Beitrag des Norddeutschen Rundfunks, den ich mir im hiesigen Titel erlaubt habe, zu erweitern. Die Spendenindustrie, namentlich auch diejenige im Namen des Tierschutzes, Pharmaindustrie und Finanzbranche sind milliardenschwere Geschäftsfelder, die in weiten Bereichen keine kritischen Blicke hinter die Kulissen dulden.

"Spenden, Pharma, Finanzen - alles milliardenschwere Branchen. Wenn Journalisten dort recherchieren, geraten erst die Firmen unter Druck, dann die Journalisten selbst." Fasst der NDR-Beitrag zusammen.

Agenten der Qualzucht hinter der Maske des Tierschutzes

Ähnliches erleben wir im Hunde-Markt, wo manche Züchter und Hundehändler offen, in der Regel aber anonym und/oder über gedungene Mittelsmänner hinter der Maske des "Tierschützers" kritische Stimmen mundtot machen wollen. Die Methoden sind im Kern dieselben wie im NDR Beitrag gezeichnet. Dabei ist die Szene zuweilen so dummdreist, dass missliebige Stimmen ganz offizell im Auftrag von Größen derselben, insbesonders aus der Plattnasen-Zuchtszene angegangen werden. Hier ein Beispiel wo unter der Maske des "Tierrechtlers" offiziell die Interessen einer Mops-Massen-Züchterin mit allein 25 öffentlich ausgewiesenen Zuchthunden vertreten werden (s.gelb markierte Stellen). Deren Mops ohne Schnauze und mit kreisrundem Kopf war im Mai 2011 zum FCI Jahrhundertsieger gekürt worden. Fachleute nehmen genau diesen Mops als ein Beispiel für die heutigen Qualzuchtescapaden, wie zuletzt auf dem Leipziger Tierärztekongress geschehen.

Eine Hundezucht, die mit solchen Mitteln vorgeht, hat kein Vertrauen verdient. Eine solche Szene wird niemals freiwillig das Wohl der Hunde in den Mittelpunkt rücken. Dieser Teil der Zucht hat sich durch seine langjährigen Zuchtergebnisse bereits selbst disqualifiziert. Er disqualifiziert sich ein weiteres Mal durch die Methoden seines Umgangs mit unliebsamen Meinungen.

Qualzucht kann sich selbst nicht mit offenen, ehrlichen Argumenten rechtfertigen - wie dann auch?

Zur Vertiefung:

Ein Zwischenruf von Christoph Jung

Samstag, 24. März 2012

Kampf um eine Zukunft für den Lundehund

Der Lundehund, auf den ersten Blick kein sonderlich auffälliger Vertreter seiner Art, hat eine ganz besondere Stellung unter den Hunden. Wir haben hier bereits aufgezeichnet, welche besonderen Leistungen er zeigen kann. Er ist extrem gelenkig, fast wie eine Katze, er kann seine Ohren aktiv schließen und hat sechs Zehen. Der Lundehund ist zudem ein prägnantes Beispiel, welche Veränderungen die speziellen Anforderungen an den Arbeitseinsatz für die Menschen, welche Veränderungen die Evolution hervorbringen kann. Hätte der große Naturforscher Charles Darwin den Lundehund gekannt, er hätte sicher einen Platz ihm in seinen wegweisenden Werken gewidmet. Aber der Lundehund ist ganz nebenbei auch ein hervorragender Familienhund und Begleiter in unseren Tagen.

Wir mussten in einem zweiten Artikel leider ebenfalls davon berichten, dass in der Population dieser Hunderasse eine Krankheit verbreitet ist, die populär als "Lundehund Syndrom" (LS) bezeichnet wird. Es handelt sich um eine schwerwiegende Störung des Verdauungssystems, die in aller Regel über kurz oder lang zum Tode führt. Manche vergleichen LS mit dem Morbus Crohn beim Menschen. Die "Rheinische Post" brachte gerade einen Bericht zu LS (Das sinnlose Leiden der Lundehunde). Die Wissenschaft geht von der Erblichkeit von LS aus. Führende Spezialisten auf diesem Gebiet wie Prof. Dr. Ingo Nolte von der TiHo Hannover fordern deshalb die Zuchtszene seit Jahren auf, auf Anlageträger in der Zucht zu verzichten und die Krankheit systematisch zu bekämpfen.

Wie kann man einem Freund sowas antun?

Doch leider scheinen diese Stimmen in der Züchterschaft ohne ernsthafte Konsequenzen zu verhallen. Statt sich mit wirklich allen erdenklichen Mitteln um die Ausmerzung dieser heimtückischen (und teuren) Krankheit zu kümmern, leugnet ein Teil der Zucht sogar diese Krankheit oder verniedlicht sie; kritische Stimmen werden zuweilen gar unter der Gürtellinie gekontert. Tenor: Halb so wild. Solche Leute bezeichnen sich trotzdem als Freunde des Lundehundes. Wie kann man einem Freund aber eine solche Krankheit antun? Und man fragt sich als Hundefreund:

Kann man einer solchen Zucht-Szene sein Vertrauen schenken?

Nicole Kamphausen hat nun einen "Offenen Brief" an den Präsidenten des Verbandes für das deutsche Hundewesen (VDH) geschickt, den wir hier in Auszügen wiedergeben:

Offener Brief an den VDH

"Sehr geehrter Herr Professor Friedrich,

es ist offensichtlich, dass die züchterische Lage des Lundehundes unter dem Dach des VDH tierschutzrelevant ist und von daher fällt es mir umso schwerer, meine Enttäuschung in Worte zu fassen. Mein erster Brief enthielt folgenden Absatz: „In unserem Telefongespräch haben Sie mir vermittelt, dass auch Sie der Meinung sind, dass es so mit der Zucht nicht weitergehen darf und bei mir Hoffnung geweckt.“ Angesichts des Leides vieler Hunde, das durch Fehlleistungen der Zucht entsteht, haben Sie mir im März 2011 zugesagt, dass es bis Ende 2011 eine Wende in der Lundehundzucht geben wird. Dieses Versprechen haben Sie nicht eingehalten. ...

Herr Professor Friedrich: Warum halten Sie mich hin? Warum schauen Sie dieser Qualzucht so lange zu?

Letzte Woche erhielt ich einen Anruf meiner Lundehundfreunde. Ihr Lundehund ist in den Armen seines Frauchens eingeschlafen. Dieser Hund wurde noch nicht einmal sieben Jahre alt und war bereits seit längerer Zeit erkrankt. Auch seine Geschwister sind an der heimtückischen Lundehund-Krankheit gestorben.

Aus Amerika erhielt ich die schreckliche Nachricht, dass zwei junge Hunde verstorben sind wieder an diesem für den Lundehund typischen Krankheitsbild, das dem Morbus Crohn beim Menschen ähnelt. Kein Medikament hat bei ihnen angeschlagen. Die Hündin wurde noch nicht einmal zwei Jahre alt. Der Vater dieser Hündin wurde in Deutschland geboren. Der Rüde verstarb im Alter von drei Jahren, obwohl seine Besitzerin eine Tierärztin ist. Beide Hunde stammen aus Verpaarungen wo auf 4 Generationen der Inzuchtfaktor 0% beträgt. Auch die Elterntiere dieser Verpaarungen haben einen Inzuchtfaktor von 0%. Diese Hunde, wie auch mein Vitani, sind aus einer Verbindung mit einem Inzuchtkoeffizienten von 0%.

Das Zuchtprogramm, das der Deutsche Club für nordische Hunde im VDH (DCNH) vorgelegt hat, ist aus folgendem Grund indiskutabel und inakzeptabel.

Ich denke, Sie gehen mit mir konform, dass Professor Dr. Ingo Nolte führend auf dem Gebiet der Gastroenterophatie ist. Professor Nolte ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates und hat zusammen mit Professor Dr. Steiner die wissenschaftliche Betreuung der Dissertation von Frau Berghoff übernommen.

Sie gehen auch mit mir konform, dass Professor Nolte auf dem Gebiet des Lundehundsyndrom führend in Deutschland ist.

Zitat Anfang: „Konsequenterweise sind auch klinisch nicht erkrankte Hunde mit abweichenden Laborwerten von der Zucht auszuschließen, mindestens bei betroffenen Lundehunden jedoch eine weitergehende Untersuchung anzuordnen. Nur so können auch subklinisch erkrankte Hunde und solche in der Frühphase der Erkrankung erkannt und von der Zucht ausgeschlossen werden ... .
... Zur Eindämmung der Gastroenteropathie beim Lundehund ist eine strenge Zuchthygiene, d. h. ein Zuchtausschluss betroffener Tiere unumgänglich
“ Zitat Ende.

Auch macht es keinen Sinn, ein Forschungsprojekt „Lundehundsyndrom“ an der TiHo Hannover zu betreiben, wenn es nach Aussage von Dr. Renate Winkler, keinen Sinn macht, erkrankte Tiere aus der Zucht zu nehmen, weil das Lundehundsyndrom polygenen Genese vererbt wird. Professor Dr. Distl stellt 2008 in Dortmund seine Arbeit über die HD Vererbung beim Schäferhund vor. Auch HD ist polygene Genese vererbbar. Hier werden erkrankte Hunde aus der Zucht genommen.

Am 13.03.2012 habe ich die letzten Blutwerte meines Vitanis erhalten und weiß, dass die Zeit mit ihm nur noch sehr kurz sein wird. Er ist immerhin schon 10,5 Jahre alt. Sein Sohn starb bereits mit 2 Jahren und seine Tochter mit 4 Jahren am Lundehundsyndrom, ebenso sein Vater mit 5 Jahren und seine Mutter mit 9 Jahren.

Der DCNH macht es sich einfach, indem er dem VDH die Verantwortung überträgt. Stimmen Sie diesem Zuchtprogramm, was einem Tierversuch ohne Labor gleichzusetzen ist zu, überträgt man Ihnen beim Fehlschlagen die Schuld. Es ist auch kein Zuchtprogramm, weil dieses bereits schon in dieser Form seit Beginn der Lundehundzucht praktiziert wird. Es ändert sich überhaupt nichts.

Stimmen Sie dem nicht zu, wird man dem VDH die Schuld zuweisen, dass man keine gesunden Lundehunde züchten kann, weil der VDH das Zuchtprogramm abgelehnt hat. Norwegen wird dann wieder die Empfehlung geben, keine Lundehunde nach Deutschland zu exportieren. Ich hatte vom DCNH auch kein anderes Zuchtprogramm erwartet! Sie haben mir einmal gesagt, dass es um Politik geht. Auch hier steht jetzt wieder die Politik und nicht die Gesundheit der Hunde im Vordergrund.

Das vom DCNH eingereichte Zuchtprogramm beinhaltet, dass Lundehunde die an Katarakt erkrankt sind, in der Zucht eingesetzt werden. ...

Sehen Sie in dem veröffentlichten Bericht des DCNHs auch nur ansatzweise, dass zu dem Forschungsprojekt von Professor Dr. Distl aufgerufen wird. Warum gibt es nicht eine Verpflichtung für Zuchthunde bzw. für Mitglieder mit Lundehunden?

Es ist für einen VDH konformen Zuchtverein untragbar, dass der damalige Fachbereichsleiter Zucht, mir als Lundehundbesitzerin und Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands im DCNH (vielleicht ist das unter Vorstandsmitgliedern so üblich) dazu geraten hat, die Augenuntersuchung in Utrecht vornehmen zu lassen. Dort würde das negative Ergebnis auf Wunsch nicht eingetragen. Dies führt natürlich dazu, dass das Gesamtergebnis einer Rasse dadurch verfälscht wird, bzw. es keine erkrankten Hunde dieser Rasse gibt.

Meine Tochter sagte nach unserem ersten Telefonat zu mir: „Mama du glaubst doch nicht wirklich dass der VDH in dieser Sache etwas unternimmt. Es läuft doch! Auf Grund deiner Arbeit als Kassiererin im DCNH weißt du, dass der VDH 1,50 EUR pro Welpe erhält. Die machen sich doch nicht die Mühe und beschäftigen sich mit Problemen einer Rasse. Du wirst nur hingehalten!

Geben Ihnen diese Worte nicht zu denken? Herr Professor Friedrich, Sie schulden mir die Antwort auf meine im Frühjahr 2011 gestellte Frage: „Wann wird die von Professor Dr. Ingo Nolte geforderte Zuchthygiene in der Lundehundzucht in Deutschland eingeführt?
Sie gehen bestimmt auch hier mit mir konform, dass allein Ihre (VDH) Prüfung des vom DCNH eingereichten Zuchtprogramms die Kompetenz von Herrn Professor Nolte in Frage stellt.

In dem 15.03.2012 geführten Telefonat sagten Sie mir zu, dass Sie ein Treffen mit Ihnen, Herrn Professor Dr. Distl, Herrn Professor Dr. Nolte, Herrn Guido Schäfer und mir arrangieren wollen. Sie haben mir versprochen einen Termin bis spätestens 29.03.2012 zu nennen.

Wie schon telefonisch besprochen, lehne ich die Anwesenheit des Herrn ... ab.  ... Darüber hinaus stellt er die LS-Problematik überhaupt infrage, was der eigentliche Tierschutz-Skandal ist. Ich denke, bei einer Gesprächsrunde im Interesse des Wohls der Hunde kann es nur darum gehen, wie man möglichst zeitnah zu einem praxiswirksamen Handeln zur Bekämpfung dieser schweren Erkrankung in der Population kommt.Mit Leuten, die die Relevanz des LS leugnen, gibt es für mich keine Gesprächsgrundlage.

Der VDH wirbt mit „kontrollierter“ Zucht als Alleinstellungsmerkmal. Wo bitte ist die Kontrolle, wenn es wie hier beim Lundehunde um jahrelange, bekannte und dokumentierte Zucht mit schweren Erbkrankheiten geht. Das darf man allein aus Tierschutzgründen nicht dulden!

Mit freundlichen Grüßen
Nicole Kamphausen"

Der Offene Brief kann von mir auf Wunsch im vollen Wortlaut per Email zugesandt werden, Christoph Jung.

Fotos: Nicole Kamphausen
 
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